16. September 2012
Bergün - Darlux

Da wir in Davos bekanntermassen kaum Hänge haben, das Wetter meist schlecht ist und wir immer sehnsüchtig nach dem Hahnenmoos und anderen alpinen Kampfstätten schielen ;-), sind wir heute in unserer Verzweiflung zu zweit "um die Ecke" nach Bergün gefahren. Dort fährt eine prähistorische Sesselbahn (frühes Pleistozän) auf den Darlux, der gemäss Google Earth einen schönen Südhang bietet. Die Bahn arbeitet jeweils zur vollen Stunde den Massenansturm ab, der heute um 11°° aus etwa 7 Personen bestand. Das Personal war aber extrem hilfsbereit und band unser Materialpaket an einem "Transportsessel" fest.



Die Gipfelstation mit Restaurant etwa 2000m hoch. Wir wanderten oberhalb der Gebäude durch den freien Streifen im Wald
etwa 8 Minuten zur Startstelle. Rechts unterhalb des Restaurants eine sehr schöne für Grossegler geeignete Wiese,
von der aus man sich allerdings nicht die Hänge hocharbeiten kann (siehe später).

Vom Startplatz blickt man gegenüber nach Süden auf den Piz Ela

Ein kapitales Adlerweibchen zeigte um 12°° unmissverständlich, was angesagt war: Hammerthermik!
Solche Trümmer sieht man selten so nahe, meistens fliegen sie 400-800 Stockwerke (à 2,5m) höher.
Es flog so langsam und ruhig, dass ich es zunächst für einen Bartgeier hielt.

Die gute "Mini-Supra" (Sprite) musste gleich hinterher. Sie hat schon 85 Std. im Flugbuch.

Nur Sekunden später wurde sie schon in Richtung Piz Ela in die Höhe gespült. Die Thermik war am Mittag
ganz ausserordentlich, kaum zu erwarten für die fortgeschrittene Jahreszeit und das wolkenlose stabile Wetter.
Zuerst war sie noch recht eng und sehr stark, anschliessend verbreiterte sie sich und wurde zum zuverlässigen
Fahrstuhl ins Vergnügen.

Die trockene Luft im Herbst ist sagenhaft klar, man kann problemlos an die Sichtgrenze fliegen.
Das schwarze Pixel schon gefunden? Weitere Bilder von der Sprite gibt es heute keine,
ich kann sie auf Fotos schon nicht mehr sehen und es soll ja noch mehr Modelle im Verein geben...

Da badet schon Christophs Natschalnik in der Sonne

Hier ist er Richtung Albulapass unterwegs, etwa zwischen Bart#2 und Bart#3

Das Modell ist bemerkenswert leistungsfähig, allerdings war der SP heute schmerzhaft weit hinten.
Die Thermikannahme war beeindruckend, er brauchte sich wirklich nicht hinter der Voll-GFK-Sprite zu verstecken.

Gute Höhe = Zeit für Ausflüge. Weg vom Albulapass und hinein in die Val ("Tal") Tuors, hin zum markanten Piz Üertsch.

Die Thermik im Tal war in voller Blüte, die Segler jodelten, dass es eine Pracht war.



Nach 90 Minuten tut das Kreuz weh, der Morgenkaffee will raus, und zum Ausgleich ist die Kehle trocken.
Da darf man auch mal landen.

Um 14:30 ging es mit der Supra weiter





Mit sinkender Sonne wurde der Himmel blauer und blauer

Der Piz Üertsch ist eine gewaltige Felsscherbe auf der Nordseite des Albulapasses

Die Talthermik wurde schwächer und schwächer, etwa 15°° hörte sie ganz auf.
Im Gegenzug wurde freundlicherweise der Hangwind stärker und stärker, und man konnte sich
im Rücken problemlos den grasigen Piz Darlux emporarbeiten.

Aber auch rechts konnte man immer wieder ein paar versprengte hangnahe Thermikblasen aufstöbern,
die kräftig in die Höhe trugen. Noch um 17°° kurbelten Krähen wie wild, und das Mitte September!
Im Bild das Lenzerhorn, links in der Ferne ein paar Zacken aus den Glarner Alpen.

Die Supra klebt wirklich am Himmel; der Unterschied zur kleinen Schwester (und die fliegt wirklich nicht schlecht)
ist weitaus grösser als man zunächst annehmen möchte. (Das gilt aber wohl für alle aktuellen F3Jler.)

Da wir Abendtermine hatten, beendeten wir gegen 16:30 den Flugbetrieb. Der Hangwind war immer noch gut in Schuss,
wir hätten vermutlich bis zur letzten Talfahrt um 18°° weiterfliegen können.

Ein Stitchpano von der unteren Wiese, die wir sicher auch noch einmal antesten werden.


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