Auf den Böden - 8. März 2020


Rückseitenwetter, Südföhn, Waldthermik, Bise, Umkehrthermik

Also alles was man so braucht....

Rückseitenwetter (das ist das nach einer Kaltfront...): Juhu, Juhu - stahlblauer Himmel, Thermikwölkchen in gefühlten 25km Höhe, orgiastischer Himmel über den schwarzdunklen Wäldern, Mitte März heisst das Himmelfahrt bis halbe Strecke zur ISS. Stratosphäre - was ist das? Und ist sowieso egal, wir fliegen eh zur Mesopause...
Rückseitenwetter (das ist das nach einer Kaltfront...): oh Mist, die Wälder voller Schnee. Ob der himmlische Heizstrahler bis 14°° genügend wegschmilzt? Mist Mist Mist. Lieber doch im Waffenarsenal nach ein bisschen Elektro Ausschau halten...


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1130 naja, war ja zu erwarten. Der Sondierungsflug ergab Null, Nada Steigen. Macht aber nix, denn bei so Traumverhältnissen gleitet man gerne auch einfach so herum.
In der Mitte nicht das Matterhorn, sondern das Tinzenhorn - ein wunderbarer Schutthaufen, man glaubt es kaum. Links über dem Piz Ela schöne Föhnwolken.
Im Moment haben wir Windstille bis schwachen Südföhn am Startplatz.



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Oh, oh, ein gieriger Pilot wartet auf Arbeit und viel Holz will gewirbelt werden...



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... aber es findet sich bereitwillig ein Opfer, das sich an den köderlosen Angelhaken hängen lässt - der Himmel ist Köder genug! Startrichtung egal, es ist fast windstill.



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kurz vor dem Klinken



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üblicherweise wird erst mal das Schiahorn im Norden angetestet



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Jupp, gar nicht mal so schlecht - und vor allem: so fotogen!



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langweilig, da kann ja jeder. Also erst mal komplett rüber zur ganz anderen Seite - zum Seehorn im Süden. Ein paar Kilometerchen dauern auch ein bisschen.



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Das ist nicht ein Hügelchen, das ist nur der oberste Gipfel vom Seehorn, 700m höher und 2500m entfernt. Ich hatte heute nur das etwas längere Objektiv dabei.



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Trägt aber noch nicht.



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Zu früh. Die Sonne hat es noch nicht richtig erwärmt. Also komplett retour wieder die gesamte Strecke nach Norden an unsere Talseite, zum "Dorfberg"




Fliegen wir ein bisschen mit:


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Unser See. Die Seehorn-Bilder oben: der Berg hier rechts vom See ist das Seehorn.
Der "Flugplatz" ist etwa 300m hinter dem Rücken der Onboard-Kamera.



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Blick über Davos



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Oben rechts das Kleine Schiahorn, darunter die Waldzone zwischen Talboden und der Bergregion: unser Quell der Freude



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Salezer Horn und sein zugehöriger Wald. Da er noch leicht schneebedeckt ist, hat er heute nur schwach und erst weit oben getragen



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Flüelatal (Mitte, beim Segler) und Dischmatal (rechts)



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unser Flugplätzlein



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Die ASW-20 schwebt über der Bahn aus



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gelandet. fertig.






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Der Dorfberg ist nur 1,5km entfernt, 900m höher.
Das ist übrigens in etwa der perfekte Winkel (90°) zu einer tief stehenden Sonne, um so ein tief dunkles Himmelsblau zu bekommen. Ich suche dann dort immer den Polarstern.
(Hab ihn dann aber da noch nicht gesehen)



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Ich bzw. meine kleine DG-600 darf auch ans Seil und begegnet da oben einer geisterhaften ASW-20, die Alex irgendwo substratosphärisch bewegt:
Endlich endlich hat Thermik eingesetzt, aber erst in einer Mörderhöhe (ca. 550m) - die hat er jedoch schon weit hinter sich gelassen.



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"man" arbeitet sich sanft nach oben



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Blau, blau. Auch nach so vielen Jahren fasziniert es mich immer noch aufs Neue, was für unterschiedliche Blautöne wir hier haben, je nach Uhrzeit/Sonnenhöhe und Winkel zur Sonne.



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Arbeitsloser Schlepperpilot und arbeitsloser - hmm, nicht ganz - Seglerpilot. War schon ein ziemlicher Krampf so substratosphärisch, hauptsächlich sichttechnisch - Dampf war genug da.
Und - wie natürlich mal wieder ausgerechnet heute - wieder genau um Mittag die weisse Pest am Himmel, plötzliche massive AClen und AS aus heiterem Himmel



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Nach den ersten bestätigten Corona-Infektionen in Davos hat sich jetzt auch unser Himmel angesteckt: die selten so intensive Erscheinung um die Sonne heisst tatsächlich "Corona".
An den Rändern der wie ausgelutscht wirkenden Föhnwolken ist die Tröpfchengrösse äusserst homogen, nur deswegen kann es zu solch schönen Beugungserscheinungen kommen.



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Der himmlische Sonnenschirm zwang auch unseren Stratosphärenflieger wieder in erdnähere Umlaufbahnen - gute Gelegenheit für ein Fotoshooting



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Eigentlich alle Segler von Alex haben ein sehr ästhetisches Hochsichtbarkeitsdesign



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Äähh Moment mal, sind wir gerade on top oder wie oder was?



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Der Berg am Horizont: Piz Ela, 26km entfernt.
Ein schönes Bild der "Föhnstaumauer" - von der fernen Seite drückt das italienische Wetter aus Süden aufsteigend kondensierend dagegen,
nur um sich nach Überwindung des Kamms in Nichts aufzulösen.




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Detailstudie: Rad im Schnee bremst, "Turbospinner" ist ein Schnee-in-den-Rumpf-Bläser etc. Alles zukleben.



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Dem Adlerweibchen vom Salezer Horn wird langweilig, es guckt mal nach, was die Alpendohlen da für eine Party feiern. Das war übrigens verdammt weit weg.



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Die Dohlen hatten keinen neuen Dorftratsch, also flog sie wieder heim. Ihr Junges ist offenbar noch klein (oder sie hat diesmal keines), denn unsere Segler waren ihr völlig egal.



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Die Dohlen freute es. Riesenparty über Davos: juhu, ihr könnt alle kommen!




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Unser arbeitsloser Schleppilot griff zu seinem Hyperion um auch mitzuspielen. Fällt nicht auf:
Inzwischen haben wir deutlichen Nordostwind, der Sommer naht, der Talwind fängt an, von Chur (am Rhein) her sich den langen Tag das Prättigauer Tal hoch zu arbeiten
und nach einer 180°-Rechtskurve über Klosters und Wolfgangpass uns zu erreichen. Es ist 14:30...



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Dem Salezer Horn entgegen...
Und falls es jemand nicht gleich sieht - es ist wieder blau!



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Ein besseres Bild, warum rote Unterseiten vor blauem Himmel nicht das Gelbe vom weissen Ei sind solange es noch kein Grün gibt
und die Sonne nicht orange im vom Vulkanstaub purpur gefärbten Himmel am Horizont steht, gibt es kaum.




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Und wenn man es nicht extra erwähnt, fällt es vielleicht auch nicht auf: die ASW-20 fliegt nach dem 860er Ausflug wieder in erdnahen Höhen.
Die Thermik über 500m bricht langsam zusammen.



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Das war das letzte Bild von heute. Danach begann nämlich der geheime Teil unseres Wetters... (und darauf hatten wir gehofft, aber nicht sicher damit gerechnet. Jedenfalls waren alle in der Luft und keiner mehr in der Lage zu fotografieren)
Um 1445 spürten wir das erste Mal den kühlen abwärts gerichteten Hangwind von den jetzt schattigen Hängen an unseren Nacken. Er lief wie eine slow-motion-Lawine den Hang runter - nur um mitten im Tal aufzusteigen. Das ist die legendäre Umkehrthermik: sanft und fern der Hänge mitten über dem Niemandsland.

Während Alex sich tapfer kämpfend aus 800m Höhe langsam herunter arbeitete, schaffte ich um 1450 den Einstieg in 50m über dem talseitigen Miniwäldchen vor uns (100 oder so Fichten), und irgendwann irgendwie waren es 200m, und als um 1530 alle anfingen zu zittern und zu verdursten und aller drei Kreuze weh taten, waren wir in 300-350m Höhe. Aber heute mussten es keine späten Rekordhöhen werden, ein paar rauschende Ablasser, alles abbauen und einpacken, und ab zum Bier bzw. Schümlipflümli (Kaffee mit Schlagsahne und Zwetschgenschnaps):

Ein schöner Tag, und sehr variantenreich.

Bis mal wieder...

Bertram


(Bilder von Martino und mir)