B I S E



Auch die Bise ist ein von zueinander gehörenden Hoch- und Tiefdruckgebieten erzeugter Wind, sozusagen ein anderer Bruder der beiden Föhnzwillinge. Nur liegen diesmal das Hoch von den Alpen aus gesehen im Nordwesten (Biskaya-Gebiet) und das Tief über Nordafrika. Entlang der Isobaren entsteht nun kräftiger Wind aus Nordost. Er weht vor allem im nordwestlichen Teil der Schweiz, wo er zwischen dem Jura-Mittelgebirge und den Alpen bis Genf hin immer stärker kanalisiert und bis zu 80km/h stark wird. Der Raum Davos ist davon nur untergeordnet betroffen.

Und wie der Föhn ist die Bise eine Angelegenheit von stabiler Luftschichtung und je nach Jahreszeit völlig unterschiedlicher Wirkung:
  • Im Sommer ist die herangeführte Luft aus dem östlichen Mitteleuropa kontinental warm und trocken. Es herrscht im "Mittelland" (der nördliche Teil der Schweiz) schönes Wetter, aber ohne Thermik und teils mit deutlichem Wind - nicht gut für thermische Segelflüge...
  • Im Winter jedoch ist die herangeführte Luft kontinentalklimatisch sehr kalt und deswegen mit Feuchtigkeit gesättigt. Das führt zur gesamtschweizerischen Hochnebeldecke, mit Ausnahme der inneralpinen Täler wie Davos.


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10.10.2015: extrem seltenes Bisen-Nebelmeer bis ins Davoser Tal
(Blick vom Jakobshorn Richtung Thusis/Westen)

In der wärmeren Jahreshälfte ist eine (zum Glück eher seltene) ausgesprochene Bisenlage dem Modellflug in der Schweiz im Allgemeinen eher abträglich. Der Raum Davos ist zwar durch seine Lage im Südosten der Schweiz und die Berge ziemlich gut abgeschirmt, so dass lokales Wetter vorherrscht, die Bise kann jedoch den Talwind auf seinen letzten Kilometern zwischen Klosters und Davos verstärken und den Hangflug am Brämabüel zum Erlebnis werden lassen.

Im Herbst (und Winter) ist die Bise wegen ihrer kalten Luft eine Angelegenheit der unteren Luftschichten und beeinflusst die oberen Zonen im Alpenraum überhaupt nicht. Dann ist (wegen der stabilen Luftschichtung) oberhalb des Nebelmeeres i.d.R. absolutes Traumwetter, und man kann in 2000m Höhe immer Hänge finden, an denen sich schwache Aufwinde bilden, die man mit F3K und F3J auskurbeln kann: wundervolle Spätherbst-Flugtage...
Und da Bise stabile Luftschichtung bedeutet, heisst das auch unerwartet angenehme Temperaturen in 2000m Höhe - da können am 1. November durchaus 20° herrschen!



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25.10.2012: Floaten an der Jeninser Alp über dem Rheintal




W E T T E R B E I S P I E L   -   K A L T E    B I S E   I N   D E R   W Ä R M E R E N    J A H R E S H Ä L F T E

kalte Bisenlage über der Schweiz vom 14./15. Mai 2020


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Wetterbestimmend sind das kräftige Hoch über der Biskaya (links von Frankreich) und das Tief über dem Mittelmeer. Das Hoch wird im Uhrzeigersinn umströmt und führt relativ kalte Luft (London und Berlin am Mittag 14°) an die Alpen heran.


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Im nordwestlichen Teil der Schweiz kommt es über der Seenplatte zur Bisen-typischen Kompression zwischen Juragebirge und dem Alpenmassiv mit charakterischen Windbeschleunigung bis Genf. Es ist aber auch interessant zu studieren, wie die Bise sich in die nördlichen Alpentäler hineinzwängt, sich aber auch gegen die generelle Windrichtung das Rhonetal und das Prättigau hoch arbeitet und dort schliesslich Davos erreicht.


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Chur - 15.05.2020 um 19:00


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Im Rheintal blies zu dieser Zeit die Bise von Norden am Boden mit 30km/h und hatte eine rLF von 78%. Da das Biskaya-Hoch sich aufbaut, wird die Luft aber zunehmend trockener.
Im oberen Bild ist Westen vor einem; die Bise kommt von rechts aus Norden
Im unteren Diagramm sieht man den markanten Temperaturrückgang nach der leichten Föhnlage am 13.05.2020



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Klosters - 15.05.2020 um 19:00

Wenige km nördlich von Davos liegt Klosters in 1200m Höhe. Die Temperatur ist auf 7° gesunken, die rLF beträgt 89%



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Davos - 15.05.2020 um 19:00


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In Davos ist die Temperatur auf nur noch 4° abgesunken, die rLF auf 96,6% gestiegen. Die Windgeschwindigkeit ist von gestern 35/45km/h (Durchschnitt/Böen) auf heute 25/35km/h gesunken
Durch die relativ hohe Windgeschwindigkeit und Feuchtigkeit fühlt sich das Wetter auch für Einheimische geradezu sibirisch kalt an... (gemäss Windchill-Rechner wie -1°C!)




B I S E   U N D    M O D E L L F L U G

Im Raum Davos ist die Bise immer schädlich - mit einer Ausnahme: Im Hochsommer und Frühherbst verstärkt trockene(!) Bise den Hangwind am Brämabüel.
Im Jura kann warme Bise bei entsprechenden Talkesseln aber zu orgiastischen Flugerlebnissen führen - wie am (inzwischen für Modellflug geschlossenen) Creux du Van (youtube-Video).




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