K A L T E  T H E R M I K



Relativ unbekannt ist, dass es in den Bergen ausgeprägte Thermik auch im kältesten Hochwinter gibt. Das liegt wohl an mehreren Gründen:
  • da man im gesamten Winter keine Cumulus-Wolken sieht, denken die meisten, dass Thermik völlig fehlt
  • lang anhaltende Hochnebel im Flachland lassen ebensowenig an Thermikflüge denken
  • weil die üblichen Fluggebiete nicht erreichbar sind, hat es kaum jemand ausprobiert
  • Thermik wird üblicherweise mit "warm" assoziiert - und das scheint für den Winter nicht zuzutreffen
Aber Thermik ist auch bei -20° so stark möglich, dass sie gut fliegbar ist. Die Grundvoraussetzung für Thermik ist ein lokaler TemperaturUNTERSCHIED zwischen verschiedenen Flächen. Und der kann überraschenderweise im Winter stärker sein als im Sommer. Folgende Voraussetzungen sind dafür nötig.
  • Ein dunkler Waldgürtel (Fichten) von 1600m-2000m am sudöstlich, südlich der südwestlich ausgerichteten Hang
  • Der Wald selbst kann am Boden tief verschneit sein (Schneehöhe 3m kein Problem), aber die Bäume selber müssen weitgehend schneefrei und dunkel sein. Das ist i.d.R. einige Tage nach den letzten Schneefällen der Fall.
  • grosse geschlossene Schneeflächen unter- und oberhalb des Waldes - im Hochwinter hier selbstverständlich
  • stabile Schönwetterlage mit wenig Wind und stahlendem Sonnenschein
Da die Fichten und andere Bäume im Winter sehr trocken sind, heizen sie sich unter den genannten Bedingungen so stark auf, dass über ihnen eine erhebliche Thermik in die Höhe steigt, die auch stabile Luftschichten durchbricht und erstaunliche Höhen erreichen kann.

Diese kalte Thermik ist viel zu wenig erforscht, aber von einzelnen überraschenden Thermikflügen im Januar oder Februar ist gelegentlich zu hören.


Hier ein Bild von einem solchen Thermikflug am 5.2.2012 - bei minus 20°C!


beachte das weisse Pixel in der Höhe...

(zugehöriger Fotobericht)


Kalte Thermik und Modellflug

DAVOS:
Schneeschuhwanderer sollten bei den genannten Verhältnissen unbedingt ein Rucksackmodell mitnehmen. Es gibt auf der Parsennseite (Nordwest) verschiedene Alpwege, auf denen man an den oberen Rand des Waldgürtels gelangt. Mit Schneeschuhen im ungespurten Gelände rechne man mit der doppelten Wanderzeit vgl. mit dem Sommer. Das Ussererb ist lohnend, der Weg - wenn sehr tief verschneit - am Schluss aber schwer zu finden (Wildspuren helfen). Möglicherweise wäre auch die Stafelalp ein gutes Ziel. Schneeschuhwanderer tragen selber die Verantwortung für ihre Touren - diese Vorschläge hier sind ungeprüfte Anregungen.

Die Schatzalp wäre sogar mit der Bahn zu erreichen, das ist von uns aber bisher noch nicht ausprobiert worden.

ALPEN:
Eigentlich sollte das Beschriebene in den gesamten Alpen an Orten möglich sein, die um die 1200m bis 1500m hoch liegen und im Norden erreichbare Waldgürtel haben.



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