K A L T F R O N T



Als Kaltfront bezeichnet man die Vorderkante einer sich vorwärts bewegenden Kaltluftmasse. Sie ist meist mit heftiger Cumuluswolkenbildung bis hin zu Gewittern und entsprechenden Schauern verbunden. Sie ist die typische "Gewitterfront". Bis direkt an die Vorderkante herrscht meist noch schönes Wetter, und der Wetterwechsel kann sehr plötzlich erfolgen.

14:41 Blick von der Front weg nach Südosten -
Schönwetter
14:41 Blick Richtung Front nach Nordwesten -
erste Frontwolken haben den Grat erreicht
14:51 Blick nach Osten - die Frontwolken haben
das Davoser Tal erreicht
14:51 Blick nach Nordwesten -
die Frontwolken quellen über den Grat
eine halbe Stunde später setzten die Regenfälle ein
(sorry für schlechte Bildmotive, hatte keine Zeit für einen besseren Standort)

Im Wetterradar zeigt sich das typische Niederschlagsband:


© meteo schweiz

Im Gebirge ist die Windsituation häufig nicht so klar wie im flachen Alpenvorland oder den nördlichen Nachbarländern. Theoretisch dreht der Wind mit dem Durchzug der Front nach rechts. Hier ist nur mit Mühe ein schmales Band auszumachen (das der Front entspricht), in dem der Wind theoriekonform von Nordosten bläst. Ansonsten ist die Windrichtung eher variabel. In den Alpentälern kann es aber zu dramatischen Windrichtungswechseln kommen (siehe weiter unten).


© meteo schweiz




Bei Durchgang der Kaltfront kommt es zu folgenden Erscheinungen:
  • WINDBÖEN UND -RICHTUNGSWECHSEL
    kurz vor der Front ist das Wetter noch schön und der Wind frischt kräftig auf, mit zum Teil starken Böen. Bei der hier dokumentierten Kaltfront vom 23.5.2020 waren die stärksten Winde entlang des Hauptkamms etwa im Bereich Andeer - Flims/Laax - Davos - Scuol im Unterengadin. Weiter nördlich an vorgelagerten Gipfeln oder südlich an den hohen Pässen wurden nur niedrigere Windgeschwindigkeiten erreicht. Im Bereich des Hauptkammes waren die Windgeschwindigkeiten im Tal oft noch etwas höher als an den zugehörigen Gipfel-Messstationen, weil die am Boden entlang ziehende Luft (Kaltluft!) dort durch Düseneffekte noch beschleunigt wurde. Hier erreichten die Böen in Davos am Talboden 77km/h. Beachte auch den heftigen Umschlag der Windrichtung von Südwest nach Nordost, wo sie - von den schwachen Südwinden der Folgenacht abgesehen - auch blieb:


    © meteo schweiz

  • TEMPERATURSTURZ
    Das markanteste Merkmal der Kaltfront ist der markante Temperaturrückgang innerhalb weniger Stunden. Das gilt jedoch nur für die klassischen sommerlichen Kaltfronten. Im Winter kann die Temperatur mit einer Kaltfront sogar ansteigen - wenn sie auf alte ausgekühlte kontinentale Luftmassen trifft (so genannte maskierte Kaltfront). Bei der Kaltfront am 23.5.2020 sank die Temperatur innerhalb von 16 Stunden um über 20°C:


    © meteo schweiz

  • NIEDERSCHLÄGE
    Kaltfronten sind meist mit Regen/Schneefall verbunden - diese können sehr heftig oder auch überraschend schwach ausfallen; das hängt von der Luftfeuchte ab. Diese betrug in Davos direkt vor der Front nur 22% (am Weissfluhgipfel nur 36%) und auch am Vortages-Nachmittag unter 30%. Auch im Alpenvorland war die Luft vor und nach der Kaltfront nur um die 40% feucht, und so war die Regenmenge recht gering: um die 5mm im Hauptalpengebiet und um die 8mm im Alpenvorland:


    © meteo schweiz


    © meteo schweiz

  • LUFTDRUCKABFALL
    Vor der Kaltfronten sinkt der Luftdruck markant ab (über dem Atlantik kann er im Tiefdruckgebieten auf 940hPa fallen), um dann mit der Front wieder markant anzusteigen. Dieser Anstieg bewirkt das Abtrocknen der Luft nach dem Durchzug der Front:


    © meteo schweiz




K A L T F R O N T   U N D   M O D E L L F L U G

Obwohl die Messwerte teils dramatisch aussehen, war die beschriebene Kaltfront nicht wirklich heftig. Es blies kurz, es regnete kurz, und es war markant kälter, aber das Wetter erholte sich in nur eineinhalb Tagen bestens. Auch das bisschen Neuschnee ab 2200m Höhe ("angezuckert") war am ersten Tag danach wieder verschwunden. Wenn man nicht nur einen Tag zum Fliegen Zeit hat, sind Kaltfronten bzw. die Tage davor und danach sogar ein zu suchendes schönes Flugwetter:
  • Direkt vor der Front frischen die Winde auf, was genussvollen Hangflug verspricht. In Davos geht das nachmittags (Westhang!) gut am Rinerhorn, wo man der Front beim Näherkommen zuschauen kann und bis 10min vor Beginn des Regens immer besser fliegen kann (der Weg zurück zur Bergbahn dauert nur 10min).
  • (Das gilt auch für labiles Wetter mit Gewitterbildung: Aber Gewitter an ausgesetzten Hanggraten wie dem Brämabüel sind lebensgefährlich!!)
  • 24h-36h nach Durchzug herrscht zunächst Bewölkung, die sich aber zügig abbaut und Platz macht für sogenanntes Rückseitenwetter: ausgesprochenes Schönwetter mit feiner Thermik und Cumulusbildung. Durch die Abkühlung kann aber die Wolkenbasis zunächst tief hängen - man kann sie aber anhand des Spreads abschätzen

   

Fliegen am Rinerhorn vor herannahender Front



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