S O M M E R T H E R M I K



Den Winter über ist die Thermik reine Blauthermik, also ohne Cumulusbildung, und streng an die dunklen Wälder gebunden. Sie ist völlig gleichmässig sanft und kaum als eigentliche Thermik erkennbar. Das ändert sich erst mit dem Schmelzen der Schneedecke unterhalb von 2300m, was meist so Mitte April der Fall ist. Ab Mitte März können selten schon kleine Cumuluswolken gesehen werden, meist in sehr grossen Höhen und von der Form eher kompakt, also unten gerade geschnitten, aber auf der Oberseite nicht so "wolkig".


A P R I L   U N D   M A I

Im April steigen die Pflanzensäfte wieder in die Waldbäume (Fichten und Lärchen) und sie bilden neue lindgrüne Triebe. Durch die jetzt deutlich hellere Farbe und die Feuchtigkeit sind sie wesentlich kühler als noch im März und fallen als "Thermikmotor" weg.

Die alpine Zone (oberhalb des Waldgürtels) hinkt aber mit dem Ergrünen nach der Schneeschmelze stark hinter dem Wald her. Nach der Schneeschmelze ist sie völlig trocken und hellbraun: sie übernimmt so für ein paar Wochen die Aufgabe des Thermikerzeugers. In dieser Zeit bilden sich die Cumuluswolken dementsprechend über der alpinen Stufe. Sie sind meist noch klein und sehr hoch; Überentwicklungen und Gewitter sind entsprechend selten.


(Click für grosses Bild)
10.4.2020 - Schatzalp und Strelaalp:
- die submontane Stufe (Siedlungsgebiet) ist bereits kräftig ergrünt
- die montane Stufe (oberhalb der Bildmitte) ergrünt gerade
- die alpine Stufe (unterhalb der Bildmitte) ist noch völlig trocken

Nutzbarkeit der Thermik

(Hinweis: die genannten Zeiten sind wie immer "übliche" Zeiten. Sie können stark schwanken, also um plus oder minus eine Stunde! Und hier generell: Anfang April später, Ende Mai früher. Und im April: Winterzeit!)

Die Thermik ist bereits ab 10:30 (Sommerzeit - das entspricht lokal "echten" 10:00 - heisst zwei Stunden vor Sonnenhöchststand) vom allerfeinsten, um 11:00 konnten bereits 7m/sec permanent über 10sec geflogen werden. Südhangstartplätze wie die Strelaalp werden bereits ab 10:00 von reinem grossräumigen Hangwind überstrichen, die das Modell bequem zu Wurzel der Thermik tragen. Ab 12:00 funktioniert jedoch der Hangwind nicht mehr, weil der Talwind in der Tiefe bereits die Wurzel des Hangwindes zerstört, ab 14:00 erreicht der Talwind auch die alpine Stufe. Die eigentliche Thermik bleibt jedoch noch länger erhalten - wenn der Wind am Startplatz langsam zur Seite dreht, sollte man nur tunlichst nicht mehr auf Augenhöhe herabturnen, sondern das Spiel in grosser Höhe geniessen!

Noch ein spezieller Hinweis: Wenn man z.B. um 10:00 am Startplatz ankommt, kann man die Zunahme des konstanten reinen Hangwindes miterleben. Nach 11:00 wird er dann zunehmend variabel, und ab 12:00 kann er dann scheinbar irrational werden, also über zehn oder mehr Minuten aus völlig unerwarteten Richtungen blasen, z.B. quer oder sogar den Hang hinunter: es handelt sich dann um "Ablösungen", also Ansaugungen durch Thermik irgendwo in der Nähe: dort wo der Wind hinbläst. Diese dauern aber fast nie länger als 15 Minuten. Als Hinweis: erst wenn es länger als 15 Minuten konstant den Hang hinunter oder völlig quer zu ihm bläst (und man nicht 400m höher sorglos steigen kann), sollte man einpacken und bei Zita in der Erbalp einkehren (erst ab Pfingsten) oder ins Tal zurückkehren.

Anfang April wäre es möglich, etliche Hänge noch mit den letzten Bergbahnfahrten der Wintersaison zu erreichen (hier: Parsenn und Schatzalp). Es ist aber sehr selten, dass dann Ostern sehr spät liegt UND die Hänge oberhalb der Waldzone bereits grösstenteils schneefrei sind. Für diejenigen Piloten, die sich bei normal guten Bedingungen eher langweilen und die den Reiz des Neuartigen suchen, sind das aber lohnende Versuche! Geeignet wären dafür alle F3J-E/F5J/RES-Modelle.

Auch hier ein Hinweis auf die Ansaugung: Wir haben es am Parsenn-Höhenweg Mitte April erlebt, dass es bei Ankunft und bestem Wetter über zwanzig Minuten fast stürmisch den zu zwei Dritteln noch schneebedeckten Hang hinuntergeblasen hat und kehrten um - und sahen im Augenwinkel den Wind plötzlich umdrehen und genossen anschliessend noch geniale Flüge. Kalte Schneeflächen schieben die Luft hinunter, Thermik über der Waldzone saugt sie an - das Ergebnis kann stürmisch sein. Aber im April ist die Thermik nicht mehr nur über der Waldzone (von Parsenn Mittelstation deutlich zu weit weg!!), sondern wandert schon nach oben.

Im Mai sollten auf den Südhängen (Stafelalp, Erbalp, Schatz- und Strelaalp) aber alle Alpwege schneefrei sein. Da für diese aber ein Fahrverbot gilt und die Bergbahnen geschlossen sind, kann man diese Gebiete nur mit Wanderung (eine bis eineinhalb Stunden), MTB (wenig schneller) oder E-MTB (ein Drittel der Zeit bei maximalem Stromeinsatz) erreichen - entsprechend kann man dort nur fliegen, was man noch gerade so im Rucksack transportieren kann. Und das sollte so gross wie möglich sein, denn mit einem 1,4m-EPP-Nuri wird man niemals in die eigentliche Thermik vorstossen.


Eignung und Sichtbarkeit des Modells

Wir gesagt eignet sich jedes Modell, das man selber in die Höhe transportieren kann. Nuris, F3K, EPPs, Balsa-Oldies sind ja nett, und wer es nicht anders kennt, wird alleine im Hangwind schon orgiastische Gefühle bekommen. Wenn es aber um die echte Thermik oberhalb von 300m über dem Startplatz geht: so gross wie möglich. Wenn wir uns jetzt auf den Bereich 3,5m bis 5m Spannweite einigen, geht es nur noch um die geeignete Flächenbelastung:
  • F5J (20g/dm2) ist ernsthaft zu leicht. Oberhalb von 500m verbäst es die, wir reden von Höhen von 2500m über Meer, und da ist es nie windstill!
  • F3J-E (30g/dm2) steigt besser bis 500m, hat aber in 800m schon mal Mühe, gegen den Wind zu einem anderen Bart zu fliegen. Geht aber als leichter Allrounder ganz gut. Meine Lieblingsgrösse.
  • F3B-E (50g/dm2) hat vielleicht etwas mehr Mühe, die ersten 500m zu überwinden, aber bei Höhenwind grosse (!) Vorteile in den grossen Höhen. Wir spielen in 3000m Höhe bei den manntragenden Seglern mit!!
  • Scalesegler (15m-Originale in 1:4 oder 1:3,75) haben in grosser Höhe deutliche Vorteile mit der Sichtbarkeit. Die Flächentiefe sollte nicht unter 25cm sein.
Mitte April liegt noch so viel Schnee, dass die Menge des von der Sonne reflektierten Lichts ausreicht, ein 3,5m-F3J-Modell mit zu 75% weisser Unterseite vom Talboden aus bei bestmöglichen Bedingungen noch in über 1800m Höhe zu sehen. Das lässt in den folgenden Wochen dramatisch nach und die Sichtbarkeit richtet sich zunehmend nach dem schwarzen Anteil der Flügelunterseite: Die Höhen im folgenden Link konnten nur erflogen werden mit a) dem kleinen schwarzen Anteil der Flächenunterseitenfärbung ab 11°° bis 900m im Blauen, und im zweiten Flug ab 13°°bis 1200m unter Wolken, wo als "Schattenflugzeug" die Färbung eigentlich egal ist.

Auf der Unterseite vollständig schwarze/dunkelblaue oder weisse/gelbe Modelle sind also ungeeignet- es sollte ein gesunder Mix sein. Das Optimum wäre: bis Ende April sollte das Modell unten weiss mit links und rechts je einem breiten schwarzen Balken sein, Ab Mai genau andersherum...
Hier der Link zum passenden Flugbericht Mitte Mai: [klick mich]


J U N I   B I S   A U G U S T

Ab Ende Juni sind auch die vegetationslosen Flächen und Gipfelwände schneefrei und können sich aufheizen, wohingegen die Tundrazone wächst und Feuchtigkeit enthält. Wieder verlagern sich die Cumuli weiter nach oben und werden dadurch schwerer erreichbar. Zusätzlich bilden sich auch Wolken mitten im Tal, die aber für uns weder vom Boden aus (Wiesenbetretungsverbot) noch von den Hängen aus (zu weit weg) erflogen werden können. Da die Sonne sehr hoch steht, können sich aber auch Gebiete aufheizen, die eher nach Norden ausgerichtet sind. Beispiele sind
  • die steinige Nordostflanke direkt unterhalb der Gipfelstation des Brämabüellifts (nicht mit dem bekannten klassischen "Dorfbart" weiter in Richtung Davos Dorf verwechseln!): diese heizt sich im Hochsommer schon früh um 10°° so auf, dass man Höhen erfliegen kann, die nach dem Mittag am Brämabüel nicht mehr möglich sind.
    Hier der Link zum passenden Video Anfang August: [klick mich]
  • auch über der gesamten nach Nordwesten ausgerichteten Clavadeler Alp hatten wir vereinzelt schöne nachmittägliche reine Thermikflüge, wobei man z.T. weit ins Tal fliegen musste.
  • dasselbe gilt für die westlich ausgerichtete Weidezone an der Rinerhornbahn-Gipfelstation, die aber nur dann gut "funktioniert", wenn eine herannahende Front aus Westen den Talwind gar nicht erst zulässt.
Sonderfall Brämabüel

Die Nordostflanke des nördlichen Ausläufers des Brämabüel nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist die einzige Wand im gesamten Gebiet, die dem Davoser Talwindsystem günstig entgegensteht, so dass der Talwind die Aufwinde geradezu anfacht. Dabei bildet sich ziemlich nahe halblinks (= genau nördlich) vom Startplatz meist ab 13°° (plusminus eine Stunde) eine sehr zuverlässige starke Thermik aus: unser Dorfbart. Wenn die grossräumige Windlage auf "Bise" steht (Wind aus Nord bis Ost), werden der Talwind und die Thermik eher noch verstärkt und das Fliegen am Brämabüel ein grosser Genuss.
Der Dorfbart ist so stark und stabil, dass er auch funktioniert, wenn die grossräumige Windsituation leichte Westwinde bedeutet (diese schieben den Talwind im unteren Teil des Prättigaus an). Dann ist aber mit der Thermik in etwa 300m bis 400m über der Startstelle Schluss. So weit reicht das kombinierte Hangaufwind- und Thermikpaket, bevor es vom Westwind in der Höhe überströmt wird:

(Click für grosses Bild)
2015 - Brämabüel:
Nordwestwind (von rechts) biegt die Cumuluswolken in ein paar hundert Metern Höhe zurück

Eine weitere Besonderheit ist, dass wir oft einen etwa viertelstündigen Wechsel zwischen gut tragendem Dorfbart mit wenig Hangwind an der Kante einerseits und starken Hangwind mit wenig Thermik andererseits beobachten.


S E P T E M B E R   U N D   O K T O B E R

Die Zeit der grossen Thermik ist vorbei, es beginnen die herbstlichen Talinversionen. Der Indian Summer oder Goldene Oktober ist zwar sehr malerisch, aber sehr arm an Thermik. Trotzdem gibt es sie noch, aber meist nur die, die sich auf hochgelegenen trockenen Gebieten oder stark erhitzten Felswänden bildet. Die Jeninser Alp ist ein Beispiel dafür, wo sich auch Ende Oktober in der Thermik grosse Höhen erreichen lassen.
Insgesamt ist der Herbst aber die beste Zeit für reines Hangwindfliegen, weil die Talinversionen auch das schädliche Talwindsystem verhindern.




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