T A L W I N D S Y S T E M



Bei normalem Schönwetter, so genanntem Tagesgangwetter, bildet sich im Prättigau (das Tal, an dessem Anfang Davos liegt) ein kräftiges Talwindsystem aus:
Wenn die südöstlich ausgerichteten Berghänge sich vormittags erwärmen, steigt an ihnen ein Hangwind hoch. Dadurch wird die kalte Luft aus dem Tal abgesaugt, was sich zu einer Strömung entlang des gesamten Tals kumuliert. So beginnt der Davoser Talwind eigentlich unten im Rheintal bei Landquart. Im Hochsommer kann man bereits um 9°° in der kleinen Ebene nach der engen Chlus-Schlucht sehen, wie sich die Bäume kräftig Richtung Klosters biegen! Es dauert jedoch im Durchschnitt bis 11°°, bis der Talwind in Klosters ankommt. Dort dreht er mirakulöserweise um 90° nach rechts und bläst über den Wolfgangpass nach Davos, wo er i.d.R. um 12°° ankommt, 43km nach seiner Geburt in Landquart. Die Zeiten können durchaus um eine, selten zwei Stunden in beide Richtungen schwanken.


© swiss topo

Man muss sich den Talwind wie eine unsichtbare Masse vorstellen, die sich durch das Tal schiebt. Generell lässt sich sagen:
  • Im Winter tritt er nur schwach bis gar nicht auf, weil die Talsenken mit Kaltluftseen gefüllt sind. Bei den früheren Winterschlepps auf dem gefrorenen See haben wir ihn meist ab 14°° gespürt, während wir in der windstillen Zeit bis dahin fast in der Sonnenglut verschmort sind.
  • Ab April wird er im Tal meist ab 12°° störend (bei unseren hohen Thermikflügen ab Talboden), reicht aber nur etwa 200-300m hoch. In der Höhe kann völlig anderer Wind herrschen, und normale Thermikflüge können möglich sein!
  • Ab Juni kommt er manchmal schon deutlich früher und füllt das Tal mittags über 500m hoch aus! Das heisst, dass alle Fluggbiete an den Mittelstationen der Bergbahnen davon betroffen sind: man steht dort, und ab Mittag kommt der Wind genau rechtwinklig von links (Parsenn Höhenweg) bzw. rechts (Rhinerhorn). Nur von noch höheren Standorten ist dann Modellflug möglich, die Gipfelregionen sind hier aber alle viel zu steinig. Ein Sonderfall ist das Brämabüel: Als einziges steht es dem Talwind mehr oder weniger im Weg, so gleitet er dort nach oben - wo er dann an guten Tagen für unvergessliche Flüge sorgt.
  • Erst ab Ende September ist der Talwind wieder so schwach, dass wir einigermassen sicher schöne Wasserflugtage erwarten können: manchmal komplett bei Windstille, manchmal etwas windig, aber fast immer erst ab 14°°, und doch fliegbar. Das ist auch die Zeit, in der man auf den Wiesen nördlich der Station Parsenn-Höhenweg bis 13°° wunderbar floaten kann.
Die herausragende Eigenschaft des Talwindes ist, dass er unglaublich plötzlich innert Minuten einsetzt, sozusagen aus dem Nichts kommend, als ob jemand eine Tür öffnet. Hier ein Messwertprotokoll von Meteo Schweiz für 15.ten und 16.ten April 2020. Man sieht, wie der Wind gegen 11°° von 5km/h auf 20km/h auffrischt und die Richtung von Südwest auf Nordost umspringt. Und bereits Mitte April gibt es Böen bis 40km/h!


© Meteo Schweiz





Wetter